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TR200 - Automatische und manuelle Wegewahl im Call-Routing
Mit Hilfe des automatischen Fallback-Verhaltens kann SIP/VoIP mit ISDN-Backup genutzt werden. Zusätzlich können für jeden Teilnehmer drei Verbindungswege voreingestellt werden. Desweiteren kann per Kennzifferprozedur für einen einzelnen Anruf ein bestimmter Verbindungsweg gewählt werden.


Vorbemerkungen:
  • im Beispiel wurde TR200bw mit Softwareversion 7.5.1 Patch 1 eingesetzt
  • Vorausgesetzt werden folgende Konfigurationsschritte
    - Anschluß von TR200 an LAN, ISDN-Amtsanschluss und ggf. DSL
    - Interneteinwahl bei Benutzung von SIP-Providern
    - SIP-Provider bei AWS über SIP 
    - Anschluss mind. eines internen Teilnehmers (FXS, ISDN, SIP)

1. Automatisches Call-Routing VoIP/ISDN/POTS
Stehen mehrere Amtsleitungen zur Verfügung so werden diese in der Standardkonfiguration in folgender Reihenfolge verwendet:
  1. VoIP/SIP Leitungen
  2. ISDN Amtsleitung
  3. Analoge Amtsleitung (POTS)
Da für den ISDN- und POTS-Anschluß der gleiche RJ45-Port  verwendet wird, ergibt sich keine Reihenschaltung von ISDN auf POTS.

Sind sowohl SIP-Leitungen als auch ISDN/Analog-Leitungen konfiguriert und aktiv so werden in der Standardkonfiguration vorrangig die SIP-Leitungen für gehende Gespräche verwendet.

Steht die SIP-Leitung nicht zur Verfügung, erfolgt ein automatisches Fallback auf die ISDN oder POTS-Leitung.

Die SIP-Leitung kann z.B. aus folgenden Gründen nicht zur Verfügung stehen:
  • Fehler beim DSL-Anschluß oder der Interneteinwahl
  • Fehler beim SIP-Provider
  • Fehler beim Internet Service-Provider
  • Bandbreitenauslastung, z.B. es steht nicht mehr genügend Bandbreite für einen zusätzlichen VoIP-Anruf auf der WAN-Strecke zur Verfügung
    Beispiel mit einer ADSL-Leitung mit 160KBit Upstream
    1. Call über SIP/VoIP mit Codec G.711 => 94 KBit/s
    2. Call über SIP/VoIP mit Codec G.729 => 38 KBit/s  => 132 KBit/s
    3. Call: keine Bandbreite mehr auf der DSL-Strecke => Fallback auf ISDN
Bei einer Störung der DSL-Leitung erkennt das System beim nächsten SIP-Register-Interval, dass die SIP-Leitung nicht mehr zur Verfügung steht. Das SIP-Register-Interval beträgt i.d.R. 60 Sekunden. D.h. bei einem DSL-Ausfall erfolgt das Routing der gehenden Gespräche nach ca. 1 Minute über ISDN bzw. POTS. Bei Entstörung des DSL-Anschlusses erfolgt das Rückschalten von ISDN auf SIP ebenfalls nach ca. 1 Minute.

Das automatische Call-Routing wird durch die Einstellung "Prioritäts-Telefonnummer" = "Automatisch" festgelegt.


2. Manuelles Call-Routing VoIP/ISDN/POTS pro Teilnehmer
Soll das Routing der gehenden Gespräche nicht automatisch (wie unter Punkt 1. beschrieben, sondern manuell erfolgen, müssen die Einstellungen "Prioritäts-Telefonnummer", "Alternative Telefonnummer 1/2" für den Teilnehmer geändert werden. Hiermit kann für jeden Teilnehmer eine individuelle gehende Leitung bzw. gehende Rufnummer festgelegt werden. Zusätzlich können zwei Alternativwege eingerichtet werden, welche bei Ausfall des vorangegangenen Weges verwendet werden.

Beispiel für Teilnehmer 21:
  • Primär abgehende Gespräche wird über sip-provider-1 mit Rufnummer 123456 geleitet
  • Alternativ abgehende Gespräche werden über sip-provider-2 mit Rufnummer 123457 routet
  • Alternativ abgehende Gespräche werden über die ISDN-Amtsleitung mit MSN/Rufnummer 123458 geleitet.


3. gezielte Wegewahl
Über die Nutzung von Kennzifferprozeduren kann von jedem Teilnehmer aus für das nächst folgende Gespräch gezielt eine ISDN-, POTS- oder SIP-Leitung ausgewählt werden.
  • Gezielte Belegung des externen analogen oder ISDN-Anschlusses: *8#00 + Rufnummer
  • Gezielte Belegung des ISDN-Anschlusses mit einer Telefonnummer (MSN): #81 + 0...9 (Index der MSN) + Rufnummer
  • Gezielte Belegung eines SIP-Providers: *8#1 + 0...9 (Index des SIP-Providers) + Rufnummer
Die Index-Werte für MSN/SIP-Providers finden sich im FCI unter:
  • PABX -> Anschlusskonfiguration -> Externe Rufnummern  (ISDN-MSN-Indizes)
  • PABX -> Anschlusskonfiguration -> VoIP Konfiguration (SIP-Provider-Indizes)
Weitere Hinweise zur gezielten Belegung einer ISDN/POTS oder SIP-Leitung finden Sie im TR200-Handbuch.

4. Manuelles Call Routing vs. Wahlregeln (Automatic Route Selection)
Generell haben die Festlegungen innerhalb der Wahlregeln Vorrang vor den Teilnehmereinstellungen im Menü "Interne Rufnummern" und vor der gezielten Wegewahl (siehe Punkt 3).

Beispiel:
Werden über das Menü "Wahlregeln" Einstellungen getroffen z. B. Mobilrufnummern immer über die SIP-Leitung zu routen, während bei den Teilnehmereinstellungen die Prioritäts-Telefonnummer mit einer ISDN-Rufnummer belegt wird, so hat die Einstellung der Wahlregeln Vorrang. D. h. der Ruf wird dann über die SIP-Leitung
mit der gehenden Rufnummer der SIP-Leitung durchgeführt.